Die Gegend der Maakristrasse ist die Wiege der Tallinner Industrie.

Diese Strasse lief parallel zum Fluss Härjapea, welcher der wasserreichste Fluss des mittelalterlichen Tallinns war.

Schon im Mittelalter gab es hier Wassermühlen und Gerbereien.

Hier haben meistens Handwerker gewohnt, deren Beschäftigung für die Stadt  zu verschmutzend  oder zu viel Platz fordernd  war – Gerben, Trankochen, Leinenverarbeitung, Stoffbleichen, Mühlenwerk. Hinter den Häusern war gleich das Ackerland.

Weil der Fluss seit dem 13.Jahrhundert für Mühlen und Gewerbe  benutzt wurde, auch Überlaufrinnen der Klosetten mündeten hier – war er sehr verschmutzt und wurde im Jahre 1914 mit Platten gedeckt und im Jahre 1937 endgültig in die Kanalisatsionsröhre geschlossen.

Der Fluss Härjapea fliesst auch heute unter der Erde weiter :davon geben die Überschwemmungen der Maakristrasse während des Tauwetters und  Hochwassersein Zeichen.

Aus den Wassermühlen sind  später Industrieunternehmen geworden:im Jahre 1877 wurde die Lederfabrik Grünwald ( später Union, in der Sowjetzeit Schuhfabrik Kommunaar und Lederwarenkombinat Linda genannt) gegründet.

An der Stelle des Kaufhauses Stockmann stand die Papierfabrik.

Familie Birk hat in der Gegend schon seit  dem Jahre 1625 gewohnt. Die Färberei und Reinigung wurden 1820 gegründet, es war der älteste Betrieb seiner Art in Estland.

Die Industriefärberei Birk färbte Textilien der Nachbarproduzenten.
Aus den privaten Nachfragen der Endverbraucher  heraus entwickelte das Industriefärbeunternehmen Birk das Endverbrauchergeschäft und färbte zunehmend häufiger private Textilien. Da diese vor dem Färbevorgang entfleckt werden mussten entwickelte sich das Wäscherei und Reinigungsgeschäft, welches immer stärker wurde und bis heute existiert. Es ist  DER Traditionsbetrieb der Stadt für diesen Service.
Im Jahre 1910 wurde das schöne Jugendhaus fertig.

Der Autor des Hauses ist der russische Architekt  Aleksander Jaron, von ihm stammt auch das Haus Estoniachaussee 13 – die Geschäftsstelle der ehemaligen Russischen Staatsbank, später das Hauptgebäude der Estnischen Bank (bis 1935).

Im Haus befanden sich die Reinigung und Färberei, im 1.OG wohnte Familie Birk.

Aus der damaligen Zeitungswerbung  können wir sehen, dass folgende Dienstleistungen angeboten wurden:”Färben,Walken,Scheren,Dekatieren,Apretieren,Bleichen, Reinigen von Anzügen, Kleidern, Mäntel, Seidenkleider usw., Bügeln mit Hilfe der amerikanischen Hoffmans Method-Maschine.”

Ebenso können wir lesen, dass Birk s Reinigung “Grand Prix und 7 Goldmedaillen” besitzte.

In der Archive ist das Grundstücksbaltt aus dem Jahre 1937 erhalten geblieben, wo zu sehen ist, dass auf dem Hof 2 Schuppen, ein Keller und ein Obstgarten waren, ebenso wurden hier 12 Hühner gehalten.

Der Brief von Martha Dethloff an die Tallinner Stadtverwaltung.

Die Hausbesitzerin des Hauses war damals Martha Dethloff (geboren Birk), die Wohnungen vermietet hat, denn es gab 3 Wohnungen im Haus.Es gibt einen Brief von Frau Dethloff an die Tallinner  Stadtverwaltung, wo sie als Antwort auf die Steuererhöhung der Stadt schreibt, dass “das Haus Maakri 23 keine Normalmieter finden kann, vor allem wegen des scheusslichen Geruchs aus dem Fluss und von der Lederfabrik, deshalb kann es keine Rede von einer Steuererhöhung geben.”

Die Schliessung des Flusses in die Kanalisationsröhre im Jahr 1937 hat wahrscheinlich dieses Problem gelöst...

Das Unternehmen Birk wurde nach dem 2 Weltkrieg  enteignet und dem Dienstleistungskombinat " Kiir " eingegliedert, es gab eine Reinigung, eine Färberei und ein Waschsalon im Haus.

1994 wurde das Unternehmen öffentlich versteigert, es war damals schon geschlosssen, da der Maschinenpark völlig zerschlissen und das Haus völlig heruntergekommen war.Das Haus wurde von der deutschen Firma a+4 Marketing Systeme GmbH gekauft.

Es wurde die Firma OÜ Maakri Keemiline Puhastus gegründet, die auch jetzt das Haus besitzt.Die Renovierung wurde von der Firma AS Harju Ehitus durchgeführt.
Am 2.Juni 1996 wurden Haus und  Reinigung/Wäscherei total renoviert wiedereröffnet.Es wurde die erste Reinigung der Sauberland-Kette in Estland eröffnet.Die Kette hat sich später nach Tartu, Pärnu und Narva erweitert.

Am 2.Juni 1996 wurde in Maakri 23 die erste Reinigung der Sauberland-Kette eröffnet.

Vor dem Haus wurde ein kleiner japanischer Garten angelegt, wo 2 Skulpturen stehen:der Adler als Symbol von Deutschland und der Igel als Symbol für Estland.

Im Jahre 2008 wurde die Kette der  Reinigungen Sauberland an die Firma OÜ Sol Eesti verkauft.

Es gibt mehrere Mitarbeiter der Reinigung, die im Haus schon über 40 Jahre arbeiten, die das Haus und ihre Arbeit liebhaben, es ist dankenswert, selten und verleiht dem Haus die Seele.

Im Haus befinden sich eine  Reinigung, ein Waschsalon,  ein Friseursalon und Büros.

Das Quartier wurde  nach Wiederherstellung der estnischen Unabhängigkeit 1990  vom industriellen Produktionsstandort zum Zentrum für Dienstleistung, Handel, Hotel und Bankgewerbe umprofiliert. Stockmann, Nordea und Swissehotel stehen als Teil dafür. Auch viele neue Wohngebäude sind erbaut worden und ergänzen den urbanen Charakter des Maakriviertels sehr gut.

Sinn dieser Festschrift ist es, den Zusammenhang zwischen der fast 300 Jahre in Tallinn lebenden Familie Birk, der fast 200 Jahre alten, an dieser Stelle bis heute ununterbrochen angebotenen textilen Dienstleistung ( früher Färberei, heute chem Reinigung, Wäscherei und Änderungsschneiderei ) im Laufe aller gesellschaftlichen Umbrüche zu zeigen. Und eben wie dies in die so schöne ( Gründerzeit ) Architektur des heute 100 Jahre alten  Birk Hauses und danach die erst industrielle und dann heutige Stadtentwicklung des Maakri Quartiers eingepasst ist.